Vom Sprachen sprechen

Meine beste Freundin Charlie spricht fünf Fremdsprachen. Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und seit neustem auch noch Russisch. Und Deutsch natürlich sowieso.

Ich kann das nicht annähernd. Deutsch und Fränkisch vielleicht oder schwäbisch, vielleicht ein wenig Englisch noch, aber das war es dann auch schon. Ich kann mir zwar in jeder Sprache einen Cappuccino mit einem Glas Wasser bestellen, aber weitergehende Fragen kann ich dann nicht mehr beantworten.

Das Problem ist folgendermaßen: Ich lerne ein paar Vokabeln auswendig und versuche sie dann so brauchbar wie möglich grammatikalisch korrekt in einen Satz zu packen. Naturgemäß meint mein Gegenüber dann, ich bin seiner Sprache mächtig und fängt sofort an, Konversation zu machen. Das läuft dann meist in etwa so ab:
Ich bestelle mir in einem Café eine Tasse Cappuccino in perfekter Landessprache, sogar mit einem freundlichen Bitte dazu, und mit einem durch und durch bescheidenem Lächeln, als wäre das die selbstverständlichste Sache der Welt:
„Un capuchino, un vaso de agua, por favor.“

Kellner: “ Gracias, señora. El capuchino dulce, media o baja en azúcar? Un gran vaso de agua, un vaso pequeño de agua y carbonatada o no?“

Ich: “ Sólo un capuchino, per favor!“

Kellner: “ Lo entiendo. El capuchino dulce, media o baja en azúcar? Un gran vaso de agua, un vaso pequeño de agua con u sin carbonatada o como?“

Ich: „Äh, sweet dann.“

Kellner: „Sí, dulce. Un gran vaso de agua, un vaso pequeño de agua con u sin carbonatada?“ Und dabei sieht er mich so mitleidig an, als ob ich nicht bis drei zählen könnte.

Ich: „Mit Wasser, bitte, Aqua, nur Aqua!“

Meistens geht der Kellner dann und bringt halt in etwa, was ich bestellt habe. Und ganz oft kommt er dann mit dem Cappuccino und dem Wasserglas auf dem Tablett zurück und sagt schmunzelnd in seinem besten Deutsch:
„Ihr Cappuccino, gnädige Frau, und das Wasser!“

Und dann labere ich, nicht ganz ohne Genugtuung, er soll ja nicht denken, dass ich überhaupt keiner Sprache mächtig bin:
„Wenn ich gewusst hätte, dass sie Deutsch sprechen, hätte ich das alles auch viel einfacher haben können und dann hätten wir gar nicht solange debattieren müssen. Ich finde es so schön und überaus freundlich von Ihnen, dass sie meine Sprache sprechen, vielen Dank!“

Dann erwidert der Kellner häufig:
„¿Qué, señora?“

Und dann müssen wir beide lachen.

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