Übers Geld…

…spricht man nicht, heißt es in unserem Kulturkreis. Das heißt aber nicht, dass man nicht wenigstens einmal darüber nachdenken dürfte, vor allem deswegen, weil ein weiterer Spruch darauf hinweist, dass Geld die Welt regiere. Was regiert uns also? Und was bedeutet es, wenn man zu viel oder zu wenig davon hat?

Die früheste Form des Handelns war der Tausch. Getauscht wurde alles, was es zu tauschen gab. Irgendwer erkannte, dass Vieh, Getreide und Edelmetalle unverderbliche Platzhalter waren, die man für andere Güter, die man erst später tauschen wollte, verwenden konnte. Diesen unverderblichen Gütern kommt die erste Geldfunktion zu. Im Mittelalter löste dann das sogenannte Gewichtsgeld, Münzen aus Edelmetallen, die unverderblichen Güter ab.

Dann einigte sich der Staat auf einen Silberstandard der den Münzen einen festen Nennwert zusicherte. Das sogenannte Kurantgeld war als Zahlungsmittel geboren. Gold und Goldmünzen blieben jedoch vor allem als Handelsmünzen für Auslandsgeschäfte in Umlauf, ihr Wert blieb jedoch schwankend.

Papiergeld war bereits im 10. Jahrhundert in China als immaterielles Geld in Umlauf, da die Münzreserven den stetig steigenden Bedarf an Geld im Land nicht mehr decken konnten. Gegen Ende des 13.Jahrhunderts wollte ein persischer König, wegen seiner von ihm geplünderten Staatskassen, auch auf gedrucktes Papiergeld umsteigen, was ihm aber am Ende das Leben kostete. Man hat ihn einfach ermordet, vermutlich weil niemand für das ungedeckte Papier etwas tauschen konnte.

Das sogenannte Fiatgeld, eine Form von Ersatzscheinen, stammt aus Italien. Dort fing man an vollwertige Münzen und Edelmetalle bei Bankiers zu deponieren, die dafür Zahlungsansprüche, Zettel, Wechsel, Kassenanweisungen ausschrieben und auf Wunsch die Münzen und Edelmetalle wieder frei gaben.

Das erste Papiergeld in Europa wurde dann 1483 in Spanien ausgeteilt, es war ein vorübergehender Ersatz für fehlendes Münzgeld.

Der Handel mit Papiergeld, ohne Absicherung über das Kurantgeld, sondern über Tulpenzwiebeln, brachte 1637 in Holland eine Tulpenblase zum Platzen. Nicht besser erging es Frankreich, wo 1738 John Law, ein schottischer Nationalökonom und Bankier, anfing nicht nur Edelmetalle, sondern auch Grundstücke mit Ertragsaussichten als Sicherheit zu hinterlegen. Auch diese Spekulationsblase platzte nur 2 Jahre später.

Erst im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Banknote zum anerkannten Zahlungsmittel, weil die Banknoten durch eine Währungsreserve bei der Reichsbank gedeckt waren und jederzeit in Kurantmünzen oder Edelmetalle getauscht werden konnten.

Der immer größer werdende Geldbedarf veranlasste große Volkswirtschaftler über verschiedene Geldtheorien nachzudenken mit dem Erfolg, dass eine Buchgeldschöpfung durch die Zentralbank erlaubt wurde, wenn außer materiellen Sicherheiten auch die funktionierende Volkswirtschaft eines Landes als Sicherheit eingebracht werden kann.

Im 20. Jahrhundert entwickelte sich darüber hinaus der bargeldlose Zahlungsverkehr, der es möglich macht anhand von Geldumbuchungen zu kaufen und zu verkaufen. Diese Art des Geldeigentums ohne Geld in Besitz zu haben, ermöglichte es den Banken einen sogenannten Interbankenhandel zu betreiben, den Handel mit Wertpapieren, Devisen, Sorten, Edelmetallen oder Derivaten die Banken untereinander kaufen und wieder verkaufen. Eine Wertschöpfung, die sich nur aus den gezahlten Preisen errechnet, ohne Sicherheiten als Gegenwert zu garantieren, war geboren. Zum Beispiel wurden Schuldverschreibungen ohne Aussicht auf Bedienung, sogenannte schlechte Kredite, gehandelt, was im Jahre 2008 die erste große Investmentbank mit Hauptsitz in New York in die Insolvenz trieb.

Der in Europa gehandelte Euro bezieht seinen Gegenwert unter anderem über die ganz unterschiedlich funktionierenden Volkswirtschaften mehrerer europäischer Staaten, was in der Geschichte des Geldes durchaus als Experiment gelten kann. Um die Stabilität des Euros zu erhalten, müssten alle am Euro beteiligten Länder die selben Stabilitätsauflagen erfüllen und die gleichen wirtschaftlichen Standards nachweisen, was im Moment noch nicht der Fall ist.

Der Kollaps droht aber erst dann, wenn europaweit das Vertrauen in die Banken und in die Staaten erlischt. Wie in Griechenland 2015 geschehen, wo die Menschen anfingen wie wild ihre Konten zu plündern und den Banken und dem Staat quasi über Nacht 43 Mrd. Euro entzogen. Bei einem solchen Szenario beißen nämlich den Letzten buchstäblich die Hunde, egal wie viele Stellen sein Konto zieren, das Papier dahinter ist nicht da, nicht einmal dann, wenn die Banken keine faulen Kredite halten.

Meine beste Freundin Charlie sagt, der heutige Gegenwert unserer Währung ist unser Vertrauen auf die Banken und den Staat und ganz sicher gäbe es noch viel mehr über Geld zu sagen, als diesen Crashkurs hier.

Sie sagt, bei ihr sei Geld schon lange nur noch eine Zahl auf dem Konto. Sie bekommt ihren Lohn längst bargeldlos, alle Abzüge an den Staat bereits ordentlich in Zahlen verrechnet und ihre Wohnung wird auch mit Zahlen bezahlt. Ihr Essen, ihre Kleidung, ihr Urlaub, alles sind nur noch Zahlen auf dem Papier. Sie sagt, sie wäre da sehr zuversichtlich, denn das würde solange gut funktionieren, solange niemand genauer nachfragt und alle damit einverstanden sind.

Ob hinter den neuen 8, 9 und sogar 10 und 11 stelligen Zahlen die jetzt immer mehr auf Papier gehandelt werden auch noch echte Banknoten steckten, das wisse sie nicht, sagt Charlie, das käme ihr alles ziemlich spanisch vor.

2 Gedanken zu „Übers Geld…

  1. Wieder mal sehr informativ und interessant!! Super, wie gut du immer recherchierst.

    Zwei Zitate fallen mir dazu spontan ein, zum einen Johann Nestroy, der sagte:
    „Die Phönizier haben das Geld erfunden…aber warum so wenig?“ 🙂

    Zum anderen die Offenbarung in der Bibel, wo von den letzten Tagen der Erde die Rede ist:
    „Jeder – ob groß oder klein, reich oder arm, ob Herr oder Sklave – wurde gezwungen, auf der rechten Hand oder der Stirn ein Zeichen zu tragen.
    Ohne dieses Zeichen konnte niemand etwas kaufen oder verkaufen.“

    Ich denke, eines Tages werden wir aus den verschiedensten Gründen wieder bei den Tauschgeschäften ankommen. Ich auf jeden Fall, fürchte ich, den dieses Zeichen, das den Feind Gottes symbolisiert, kommt für mich nicht in Frage!!
    Ein schwieriges Thema…

    1. Der Spruch von Nestroy ist gut!
      Ich habe mich selbst gewundert, dass unser Geld-System so jung ist. Ob alle gedruckten Zahlen mit Banknoten hinterlegt sind, habe ich nicht recherchiert. Bei den geplatzten Spekulations- Geschäften war das wohl nicht so. Solange wir alle auf die Zahlen vertrauen, läuft der Laden.

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