Subjektiv – objektiv

Subjektiv gesehen urteile ich sehr objektiv! Obwohl – manche sagen: Objektiv gesehen urteilte ich sehr subjektiv!

Wie ist das jetzt also objektiv gesehen gerade mit der subjektiven Selbstwahrnehmung?

Vielleicht erkläre ich das gerade mal an einem Beispiel: Ich stehe also morgens auf und fühle mich großartig! Ich fühle mich schlank, gutaussehend und besonders motiviert!

Ich fühle das solange, bis ich mich im Spiegel des Badezimmers sehe. Ich erkenne kaum, was ich kurz vorher noch gefühlt habe. Ich bin weder besonders schlank, noch besonders gutaussehend und nach dem Blick in den Spiegel auch gar nicht mehr motiviert. Welche Wahrnehmung war denn nun die richtige? Die gefühlte vorher oder die festgestellte nach dem Blick in den Spiegel? War der Blick die objektive Wahrnehmung nach dem subjektiven Empfinden oder ist es genau andersrum?

Es soll ja spargeldünne Menschen geben, die sich beim Blick in den Spiegel immer noch dick sehen, weil in ihrem Unterbewusstsein ein dicker Mensch verankert ist. Menschen, die jahrelang mit ihrem Gewicht hadern, haben auch dann noch ihr altes Bild im Kopf, wenn es längst nicht mehr der Realität entspricht. Das Selbe gilt übrigens umgekehrt genauso. Wer nie Gewichtsprobleme hatte, der sieht sich immer noch schlank, selbst dann, wenn er längst aus allen Nähten platzt. Und jemand anderen dazu zu befragen ist auch nur subjektiv, weil objektiv gesehen jeder andere auch nur seine subjektive Meinung vertritt. Die Befragten sind nämlich auch nur Menschen und wollen vielleicht nur höflich sein.

Objektiv gesehen gilt also die Feststellung, dass alle Merkmale, an und mit uns, überhaupt nur subjektiv bewertet werden können. Bin ich gutaussehend oder nicht? Bin ich intelligent oder nicht? Hab ich es gut getroffen? Bin ich glücklich? Beliebt? Interessant?

Wenigstens im Bereich der Körperfülle hilft eigentlich nur der Blick auf das eingenähte Größenetikett im Rückenteil der passenden Gewandung. Das wäre dann wenigstens die richtige Kleidergröße, aber wiederrum keine objektive Aussage darüber, ob man  nun wirklich dick oder dünn ist, weil das jeder subjektiv anders sieht.

Meine beste Freundin Charlie sagt, sie hätte nie Zweifel an sich. Sie fühle sich immer gutaussehend, normalgewichtig, glücklich und wäre mit sich und den Ihren immer im Reinen. Letztens hatte sie lange nach einem passenden Kleid gesucht und nachdem sie ab Größe 36 alles durchprobiert und dann endlich ein passendes in Größe 46 gefunden hatte, meinte sie, auf die Größenauszeichnungen an diesen Dingern könne man sich auch nicht mehr verlassen. Die wären alle falsch und das käme davon, dass die Kleider in unterschiedlichen Ländern gefertigt wären. Größe 34 in USA  ist Größe 44 in Frankreich – und das wäre objektiv so!

Und überhaupt: Ob das nun subjektiv oder objektiv so wäre, das wäre ihr völlig egal, weil, so sagt sie, doch sowieso nur ihre subjektive Wahrnehmung ihr Leben bestimmen würde. Wenn sie sich subjektiv fantastisch fühlte, dann wäre das objektiv genau richtig! So oder so.

 

Ein Gedanke zu „Subjektiv – objektiv

  1. …kleiner Hinweis: Dein Gefühl beim Aufstehen – VOR dem Blick in den Spiegel – entspricht der Realität – subjektiv, objektiv und sowieso 🙂

    Übrigens wird mir die Charlie immer sympathischer…wenn es sie nicht schon gäbe, müsste man sie glatt erfinden 😀 😀

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .