Anonymus

Früher wurde man entweder überhaupt nicht nach seiner Meinung gefragt oder man konnte sie an einem Stammtisch kund tun, wo man unter Gleichgesinnten rund heraus sagen durfte, was man dachte. Sicher, da ist es auch schon mal heiß hergegangen, aber jemanden nachhaltig beleidigt hat man eher selten, weil man ja am anderen Tag wieder bei ihm einkaufen musste, ihm am Schreibtisch gegenüber saß oder in der Straßenbahn auf dem Weg zur Arbeit begegnen konnte.

Heute können wir, dem Internet sei Dank, überall, gefragt oder ungefragt, unsere Meinung sagen. Zu jedem Zeitungsartikel, zu jedem x-beliebigen Thema, kann jeder Mann und jede Frau Stellung beziehen. Und plötzlich teilen wir untereinander unsere extremsten Sichtweisen, sofern wir dabei unerkannt bleiben. Mit einem erfundenen Benutzernamen, wie beispielsweise XYDepp525, hat man sozusagen einen Freibrief für seine ungehemmte Meinungsäußerung erworben.

Nun frage ich mich natürlich, warum zeigen Menschen als Anonymus ihre schlimmsten Seiten, nicht aber, wenn sie mit ihrem richtigen Namen im Netz schreiben? Fällt da eine Maske? Geben sie da ihr Inneres preis, das sie ansonsten gerne verstecken, um nicht aufzufallen? Vielleicht ist mein netter Nachbar ein rechter Nationalist oder ein verkorkster Wadlbeißer, der anonym hetzt und beleidigt, um dann solcher Art und Weise erfrischt, nett über den Gartenzaun zu grüßen? Wem kann man denn überhaupt noch trauen?

Fragen über Fragen tun sich da plötzlich auf und die wichtigste Frage ist für mich: Zeigt der Mensch in der Anonymität sein wahres Ich oder tun sich da versteckte Abgründe auf, die er selbst an sich noch nicht kannte? Verstecken wir uns alle hinter einer Maske?

Wir Menschen benötigen zum Überleben soziale Beziehungen, sagen die Experten und deswegen wäre es ziemlich dumm, wenn wir unsere Schattenseiten überall sofort und ungehemmt vor uns her trügen. Wir müssen uns benehmen, wenn wir nicht alleine sein wollen. Wir werden dazu erzogen, uns zu beherrschen, unsere Geisteshaltung und unsere Gefühle entsprechend den gesellschaftlichen Benimmregeln zu äußern. Wir arbeiten an unserem Charakter, weil wir nicht alleine sein wollen.

Doch jeder Mensch hat seine wunden Punkte, sagen die Forscher, und nirgendwo ist es leichter seinen Frust darüber abzulassen, als im Netz, wo wir uns sicher fühlen nicht erkannt zu werden. Es entsteht ein sogenannter Enthemmungseffekt, wenn uns das direkte Feedback fehlt und wir nicht sehen, wen wir da eigentlich beleidigen und uns sicher sind, dass der andere auch nicht weiß, wer ihn beleidigt hat. Anonymität und das Fehlen einer Autorität sind die Hauptursachen für beleidigende, sexistische oder politische Extrem-Meinungen im Netz. Wer sich mit Klarnamen outet, bleibt in der Regel auch mit unbekannten Netzteilnehmern im Diskurs sachlicher und höflicher, sagen die Experten.

Meine beste Freundin Charlie fragt, wieso ich diesen Text im Plural geschrieben habe, sie fühle sich nicht angesprochen sagt sie. „Wir“ beleidigen niemanden, auch nicht anonym. Da hat sie wieder einmal völlig recht, die Gute.

Liebeskummer unter der Lupe

Was ist der Unterschied, zwischen einem grippalen Infekt und Liebeskummer?
Gegen Liebeskummer ist kein Kraut gewachsen!

Liebeskummer entsteht, wenn unsere große Liebe nicht erwidert wird oder nicht mehr erwidert wird. Gefühle wie Ohnmacht, Hilflosigkeit und Angst machen sich in uns breit. Dass das Phänomen „Liebeskummer“ unter Forschern auch das „Broken Heart-Syndrom“ genannt wird, hat seinen guten Grund, denn der emotionale Stress sorgt dafür, dass unser Körper vermehrt Cortisol und Adrenalin ausschüttet und dass der Blutdruck steigt. Mit diesem Kraftcocktail in unserem Körper kann aber die Psyche in diesem Zustand der Trauer nichts anfangen. Statt zu laufen, bleiben wir liegen und statt die neuen Kräfte zielgerichtet einzusetzen, fühlen wir uns kraftlos, matt und ohne Antrieb, was tatsächlich dazu führen kann, dass unser Herz einen infarktartigen Schmerz verspürt.

Psychische Leiden verursachen physisches Leiden. Genauso, wie wir das Verliebtsein mit Herzrasen und Bauchkitzeln spüren, genauso spüren wir, wenn sich das Gegenteil, nämlich der Liebeskummer in uns breit macht. Forscher in diesen Herzensangelegenheiten haben herausgefunden, dass bei Liebeskummer die Glückshormone Dopamin und Serotonin zurückgehen und unser Gehirn infolge dessen wie auf einen Drogenentzug reagiert. Mit der Droge „verliebt“ fühlt man sich pudelwohl, mit dem Absetzen der Droge ist man auf Entzug. Und weil wir an unsere Droge nicht mehr herankommen, verzweifeln wir beim Gedanken an die eigene Zukunft.

Trauern, schreien, weinen und leiden, nichts verdrängen, den Schmerz zulassen, das ist das Erste, was den Betroffenen wirklich hilft, sagen die Liebeskummer-Forscher. Das Kapitel abschließen, ein symbolisches Schloss vor die Emotionen hängen, indem sämtliche Erinnerungen aus den Augen verschwinden, das ist der zweite Schritt. Der dritte Schritt braucht Zeit, denn die ist es, die das gebrochene Herz langsam wieder zusammenwachsen lässt. In dieser Phase ist es wichtig, soziale Kontakte zu pflegen und sich sein Selbstvertrauen wieder zurückzuholen. Der vierte und letzte Schritt, ist das Durchstarten in ein neues Leben und da, sagen die Profis, sollte man genau das tun, was der Ex-Partner nie tun wollte, egal, ob das Fallschirmspringen, ein Tanzkurs oder neue Klamotten kaufen ist, wichtig ist nur, dass man sich nicht zu Hause vergräbt oder sich sofort in die nächste Abhängigkeit stürzt.

Und zu guter Letzt: Leiden Männer stärker als Frauen? Die Forscher sagen „ja“, das tun sie. Weil Männer andere soziale Kontakte pflegen wie Frauen, eher in Sieger- und Verliererkategorien denken und Männer selten gelernt haben, ihre Gefühle zuzulassen. Dafür stürzen sich Männer häufig nach einer Trennung in die Arbeit und in wilden Aktionismus. Die Meister der Verdrängung leiden ohne es zu wissen.

Meine beste Freundin Charlie sagt, wenn einer weint, dann war es Liebe, wenn niemand weint, dann war es nie Liebe und wenn beide weinen, dann ist es immer noch Liebe. Vielleicht hat sie wieder einmal recht.

Kulturbedingt

Erst gestern las ich in der Presse, dass bestimmte Verhaltensweisen auf kulturelle Prägung zurück zu führen seien, also kulturbedingt dann zu Problemen führen, wenn unterschiedliche Kulturen aufeinander stoßen.

Kultur ist, was Menschen im Laufe der Geschichte aufbauen, wenn sie innerhalb staatlicher oder geographischer Grenzen zusammen leben. Nicht nur die formende Kultur des Landes, wie Ackerbau und Viehzucht, ist damit gemeint, sondern auch die geistige Kultur, die Form des Zusammenlebens einer Gesellschaft, das Hervorbringen und Weiterentwickeln geistiger Gebilde wie Sprache, Moral, Religion und Rechtsverständnis.

Da gibt es weltweit, wie es scheint, große Unterschiede. Gewiss ist, dass sich Menschen mit ihrer Kultur identifizieren und sie deswegen mitnehmen, in andere Länder, damit sie ihre Identität dort nicht verlieren. Kulturbedingt, bewegen sich Menschen überall auf der Welt so, wie sie es gelernt haben.

Harmlose kulturbedingte Lebensweisen sind zum Beispiel das Nacktbaden an der Ostsee oder das Teetrinken in England. Auch der Kirchgang in der Tracht an Sonn- und Feiertagen dürfte niemanden verletzen. Am wenigsten schadet der samstägliche Autowasch- oder Selbstreinigungszwang, wie er hierzulande kulturbedingt gepflegt wird.

Auch, dass mehrere Generationen von Schwaben in Amerika jeden Sonntag kulturbedingt Spätzle mit Sauerbraten essen und im Sommer jeden Sonntag ein Bierfest veranstalten, ist Auslebung schwäbisch kultureller Geisteshaltung die niemanden verletzt.

Dass sich kulturbedingt die Kulturen oft nur wenig bis gar nicht vermischen, sieht man weltweit am besten am Beispiel der Chinesen. So ist ein Viertel der Einwohner New York Citys chinesischer Herkunft und sie bilden damit die größte chinesische Gemeinde in ganz Nordamerika. Das so genannte Chinatown ist auf diese Weise das berühmteste Beispiel von Kultur innerhalb einer anderen Kultur. Chinesen gründen kulturbedingt weltweit ihre Chinatowns. In fast allen Ländern der Erde gibt es bereits innerhalb der großen Städte „Tángrénjiē“, heißt: Straße der Menschen, wohlgemerkt der chinesischen Menschen und ihrer chinesischen Kultur.

Nun, solange Kultur in der Kultur friedlich abläuft und wir nur von importierten exotischen Speisen probieren dürfen, sollte kulturelles Kulturgut auch weiterhin kein Problem sein.

Dummerweise schwappen aber jetzt auch andere kulturelle Phänomene aus Ländern über, wo vorher kulturbedingte und geographische Grenzen waren. Wenn man der Presse Glauben schenken darf, ist die Kultur der gemeinschaftlich begangenen sexuellen Belästigung, das sogenannte „Taharrush gamea“, nun in unser Land vorgedrungen. Gruppen junger Männer verunsichern junge Frauen, um sie zu begrapschen und anschließend zu bestehlen. Das ist kulturbedingt nicht die Kultur unserer, in Freiheit lebender, Gesellschaft. Die Frage ist, ob diese Vorgehensweise jetzt kulturbedingtes Kulturgut anderer Länder ist oder einfach nur die Kultur weltweiter Kriminalität.

Meine beste Freundin Charlie sagt, die einzige gemeinsame Kultur der Menschen weltweit sei das Bedienen der Smartphones. Das wäre der kleinste gemeinsame Nenner aller Menschen zivilisierter Herkunft.

Dass ausgerechnet Kommunikationsgeräte die gemeinsame Kultur einer globalen Zukunft sind, könnte uns alle auf eine völkerübergreifende kulturelle Entwicklung hoffen lassen.

Rückblick in der Kassenschlange

Ich kenne sie schon vom Kinderturnen vor 20 Jahren, als unsere Erstgeborenen ihre ersten Turnübungen auf der Matte vollbracht haben. Ich weiß ihren Namen nicht, aber wir erkennen uns nach all den Jahren immer wieder sofort. Sie ist nett und sehr gesprächig. Genau, wie damals schon. Sie hatte schon immer viel zu erzählen, denn bei vier Kindern gibt es jede Menge Tumult.

Ich räume gerade mein Gemüse aufs Kassenband beim Discounter, eine Flasche Sekt für den letzten Tag im Jahr lege ich gerade auf, als sie mich von hinten anspricht. Ich freue mich sie zu sehen, wir begrüßen uns, als hätten wir uns erst gestern das letzte Mal beim Kinderturnen gesehen. Sie hat ein kleineres Kind dabei. Sie ist Oma, seit sechs Jahren ist sie Oma und dann bricht alles schlagartig und wahnsinnig schnell aus ihr heraus. Das ist ihre Enkelin, sie ist von der Jüngsten, die damals vom Urlaub schwanger nach Hause gekommen ist. Die Enkelin lebt jetzt ganz bei ihr, weil die Tochter immer noch nicht mit der Schule fertig ist und jetzt das Abitur nachholen soll. Am Nachmittag bringt der Sohn auch noch das zweite Enkelkind vorbei, weil er heute mit seiner Frau ins Kino geht. Zum Glück ist jetzt das Scharlach bei der einen schon vorbei, denn Weihnachten hatte sie noch vierzig Fieber über mehrere Tage. Sie selbst müsse sich jetzt noch viel mehr kümmern, weil der Mann im Frühjahr einen Herzinfarkt hatte und lange Zeit im Krankenhaus lag. Die Geschäfte mit dem Installateur-Laden laufen aber weiter und es kann nichts liegen bleiben, weil das Geld brauchen sie ja trotzdem. Die mittlere Tochter hat heuer im achten Monat ihr Baby verloren und niemand weiß warum. Ihr Ältester hat jetzt endlich eine Freundin gefunden, aber man weiß noch nicht, ob das gut geht, weil die junge Frau kein deutsch spricht. Die Kleine von der Jüngsten macht sich in der Schule ganz gut, hat aber Probleme die Mama zu akzeptieren, weil sie immer bei der Oma ist und da gäbe es häufig Streit über die Erziehungsmethoden und die leibliche Mutter fühlt sich oft als die ältere Schwester und das macht ihr schon arg zu schaffen. Trotzdem sie kein eigenes Einkommen hat will sie aber mit dem Kind so bald wie möglich ausziehen, aber sie weiß eigentlich noch nicht wohin und wie das gehen soll.

Ich sage Oh! und Ah! und Neiiiin! und Ja? und mein Gott! und ich staune und bin ganz Ohr. Dann kommt mein Einkauf über den Kassenscanner und ich soll ganz bei meinem Einkauf sein, schaffe das aber kaum, weil ich noch mit einem Ohr über dem Band bei der Frau hinter mir bin. Einunddreißig Neunundvierzig macht das dann, ich zahle und wir verabschieden uns und wünschen uns noch gegenseitig ein gutes Neues Jahr. Sie kann’s gebrauchen, denk ich mir.

Dann schiebe ich mit meinem Einkaufswagen zu meinem Auto öffne die Heckklappe, fülle alles in Tüten und Beutel und ich schiebe meinen Einkaufskorb wieder zurück, damit ich meinen Chip wieder bekomme. Ich bin froh, dass ich nur ein ganz normales Jahr hinter mir habe und ich wünsche mir ein ebensolches für nach Silvester.

Monaco de Bavaria

München wächst. Die Berliner würden sagen, das war auch höchste Eisenbahn, schließlich ist Berlin so groß wie München inklusive Umland und inklusive Starnberger See. Aber Berlin ist auch ein Stadtstaat und hat mit seiner Größe ganz eigene Probleme.

Deutschlandweit hatte München lange Zeit den Ruf, das größte Dorf der Welt zu sein und die Münchner nahmen diesen Ruf niemandem übel. Biergarten und Fußballwiese vor der Haustüre, was braucht es mehr?

Der Dorfcharakter gehört inzwischen längst der Vergangenheit an, denn in München wird seit Jahren gebaut. Auf allen vorhandenen Grünstreifen, ehemaligen Parkplätzen, Gemeinschaftsflächen, Firmengeländen, Bahndämmen und Kinderspielplätzen entstanden und entstehen immer noch mehrstöckige Wohngebäude. Und mehrstöckig bedeutet, bis zu zehn Etagen und höher. Die Anwohner bestehender Wohnanlagen treibt es um, denn derzeit kann es plötzlich überall passieren, dass die Grünflächen zwischen den Wohnanlagen zusätzlich bebaut werden.

„A bisserl was, geht aller Weil“, sagt die Dame vom Bauamt und genehmigt mal schnell fünfhundert Wohnungen auf dem Parkplatz vor der Reihenhaussiedlung. Selbst die obere Naturschutzbehörde, die letztens noch einen Baumveränderungsantrag benötigte, wenn man einen Ast an der alten Buche absägen wollte, ist plötzlich bereit, Parks und Grünflächen zugunsten neuer Wohnungen aufzugeben.

Ob die Stadt damit den sozialen Wohnungsbau fördert oder die Mieten bezahlbar hält, darf man bezweifeln, denn der entstehende Wohnraum lockt vor allem Kapitalanleger in die Stadt.

Die Wohnungen kosten per Quadratmeter ab achttausend Euro aufwärts. Das lohnt den Aufwand für die Baufirma, ganz zu schweigen von den Grundsteuern, die nach der Fertigstellung in den Stadtsäckel fließen werden. Zahlt der Münchner doch inzwischen den mehr als fünfhundertfachen Hebesatz der vor Jahren festgesetzten Steuer für den Grundbesitz. Für was dann schließlich die Kassen wieder gelehrt werden, kann man nur ahnen. Vielleicht für die neue Konzerthalle im ehemaligen Pfanni-Werks-Gelände? Der Konzertsaal soll einen höheren dreistelligen Millionen Betrag kosten, von den dreißig Millionen für die fünfzigjährige Erbpacht an die Besitzer des Geländes, die nachfolgend den Bau ihr eigen nennen dürfen, ganz zu schweigen. Die Stadt hat eben noch was zu verschenken.

Dafür muss die Kultfabrik, das Eldorado für das „saturday night fever“ der Jugend genauso weichen, wie die vielen kleinen Grünflächen zwischen den Häusern, die den Stadtkindern zwischen den Hausaufgaben das Fußballspielen vor der eigenen Haustüre erlaubten.

Meine Freundin Charlie sagt, so schlimm wäre das nicht, sie wäre letztens in Monaco an der Cote d’azur gewesen und da hätten sie auch aus Platzmangel alles nach oben bauen müssen. Und zwischen den Häusern, spielt da sowieso niemand, sagt sie, das wäre wegen der großen und schnellen Autos auch viel zu gefährlich. Da kann ich nur sagen: Grüß Gott, Monaco de Bavaria!

Joghurt macht glücklich

Im Laboratorium für Molekularbiologie in Heidelberg wird an einer großen Sache geforscht. Man hat herausgefunden, dass unsere Darmflora mit unserem Immunsystem, unserem Stoffwechsel und schließlich sogar mit unserem Gehirn interagiert. Noch sind die Ergebnisse lückenhaft, aber es weist vieles darauf hin, dass die Zusammensetzung unserer Darmflora unser Denken bestimmt.

Das Interesse der Molekularbiologen, ausgerechnet die Stuhlproben menschlicher Herkunft zu untersuchen, war unerwartet ein voller Erfolg. Man hat nämlich herausgefunden, dass die Darmflora eines jeden Menschen so spezifisch ist wie seine Blutgruppenzugehörigkeit. Auf einen Nenner gebracht, konnten sie drei Enterotypen identifizieren, die sich jeweils durch die Zusammensetzung ihrer Darmbakterien unterscheiden.

Ernährungswissenschaftler aus Kasachastan zeigten sich wenig erstaunt über diese Erkenntnis, denn sie verabreichen bereits seit Jahren einen bestimmten Joghurt gegen Senilität im Rahmen ihrer heilkundlichen Tätigkeiten. Auch die chinesische Medizin unterscheidet genau drei Typen im Bezug auf die Verträglichkeit und die Wirkungsweise von medizinischen Heilmitteln.

Die Umstellung der Darmflora könnte vor allen Dingen Übergewichtigen eine Chance zum erfolgreichen Abnehmen bieten. Denn die Ergebnisse zeigen, dass in der Darmflora Übergewichtiger häufiger ein Bakterium vorkommt das in der Lage ist, Kohlehydrate effizienter umzusetzen. So stellen sie dem Körper mehr Energie zur Verfügung und heizen damit die Speckproduktion an. Wer weniger dieser Effizienzbakterien hat, scheidet die meisten Zuckermoleküle unverdaut wieder aus und bleibt in Folge dessen schlank. Dass es zwischen Darmbakterien, Körpergewicht und Wohlbefinden einen klaren Zusammenhang gibt, steht für die Forscher bereits jetzt außer Zweifel.

Im kanadischen Hamilton haben Wissenschaftler an Mäusen getestet, wie sich eine veränderte Darmflora auf das Verhalten der Tiere auswirkt. Je nach Zusammensetzung der Darmbakterien wurden die Tiere risikofreudiger oder ängstlicher. Durch die zusätzliche Fütterung mit einem darmfreundlichen Bakterium wurden die Mäuse außerdem mutiger und ausdauernder. Die chemischen Botenstoffe der Darmbakterien setzen also Substanzen frei, die durch die Darmwand Signalkaskaden über die Nerven schicken und damit direkt Einfluss auf unser Gehirn nehmen, so die Forscher.

Wir sind sozusagen ein Superorganismus , untrennbar verbunden mit hundert Billionen Bakterien, die uns körperlich beeinflussen und unser Wesen steuern.

Aber was bedeutet das konkret für uns? Werden wir gezwungen das zu essen, was unsere Darmbakterien von uns verlangen oder können wir sie überlisten und unser Wesen durch unsere Essgewohnheiten beeinflussen?

Meine beste Freundin Charlie will das jetzt testen. Sie sagt, sie wird sich in den nächsten Monaten nur noch von Joghurt und Milchprodukten ernähren, denn die hätten das Bifidobacterium bifidum, das den Verdauungstrakt positiv beeinflusst und glücklich macht. Vielleicht wäre sie dann bis Silvester so mutig und ausdauernd, dass sie ganz angstfrei und unbeschwert ins neue Jahr tanzen kann.

 

 

Mama schau mal!

Weiß eigentlich irgendjemand, was die wichtigste Aufgabe einer Mutter ist?

Nein, es ist weder kochen, noch waschen, noch das Kind regelmäßig baden – es ist: Aufmerksamkeit schenken!

Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich die Worte „Mama schau mal!“ gehört habe, als meine Kinder noch klein waren und wie oft ich meine Arbeiten unterbrochen habe um zu schauen, zu bewundern und zu loben. Kindern macht alles viel mehr Spaß, wenn sie eine Adresse haben, an die sie ihre Erfolge weitergeben können. Teilen, weil’s Freude macht! Egal ob sie malen, basteln oder ein paar Blümchen mit nach Hause bringen, wenn Mama nicht schaut, ist das alles freudlos.

Kinder! Ja und wir Erwachsene? Da gehen wir doch tatsächlich in diverse Workshops, töpfern Krüge und Schalen, malen ansehnliche Aquarelle oder basteln bunte Grußkarten. Die Dozentin verspricht uns, dass wir zur inneren Zufriedenheit kommen werden und dass wir das alles nur für uns selbst tun.

Ich glaube, das ist der größte Irrtum aller Zeiten! Wer bastelt schon gerne zu Hause im stillen Kämmerlein die wundervollsten Dinge, wenn er sie hinterher in Kisten packen muss und in den Schrank stellt? Wenn er sie niemandem zeigen darf? Wenn niemand Interesse an diesen Dingen hat?

Gruppenbasteln und Gruppenmalen ist vielleicht ein Ausweg. Das Werken und Malen in Gesellschaft bringt Spaß, denn dann können sich die Bastler und Maler am Ende der Stunde ihre fertigen Werke gegenseitig zeigen und jeder kann den anderen für sein Werk bewundern. Ich finde das ein gute Alternative! In der Gruppe kann der persönliche Erfolg seine notwendige soziale Anerkennung erfahren.

Auch Geschriebenes, wenn es denn kein Tagebuch ist, will gelesen werden. Der Markt an Hobby-Autoren auf der Buchmesse war noch nie so groß und breitgefächert wie heute. Jeder Schriftsteller hat etwas zu erzählen und jede Fantasie will festgehalten werden. Keiner der neuen Schreiber möchte, dass sein Werk kommentarlos in der Versenkung verschwindet. Würden sie alle sonst den kostspieligen Weg bis zur Veröffentlichung ihrer Werke auf sich nehmen? Klar, berühmt werden die wenigsten, aber für sich selbst schreibt auch niemand.

Ich gebe ehrlich zu, dass auch ich mich über Kommentare auf meine #flohhupferl freue. Wäre das nicht so, könnte ich auch alle geschriebenen Seiten ausdrucken, mit dem Aktenvernichter zerschnippseln und als Füllung in meinen Kopfkissenbezug nähen. Ich könnte dann ruhiger schlafen, weil ich alle meine Gedanken statt im Kopf unter dem Kopf hätte.

Aber das Schicksal meint es gut mit mir. Ich habe noch eine Mutter, die an meinem Tun interessiert ist. Gleich morgen werde ich zu ihr hinfahren und ihr mein neuestes Werk vorlegen. Und ich werde sagen: „Mama schau mal!“

 

Auswandern und Einwandern

In Zeiten wie diesen, wo uns die Medien mit Nachrichten über Flüchtlingskatastrophen und bevorstehendem Kulturwandel bombardieren, könnte  man doch ernsthaft auch einmal über die eigene Landflucht nachdenken. Natürlich will man nicht in Länder die bereits ängstlich ihre Grenzen dicht gemacht haben oder in Länder, die von ihren Einwanderern viel Geld und besondere berufliche Qualifikationen erwarten, nein, ich denke da an Länder in Europa, die seit langem keine politische Aufmerksamkeit mehr erregen und wo man einfach nur leben kann.

Bei der alphabetischen Suche stoße ich gleich auf Albanien. Was weiß man schon über Albanien? Mit 97 Einwohnern pro Quadratkilometer ist dieses Land jedenfalls noch nicht überbesiedelt. Es herrscht dort mediterranes Klima und das Land hat einen kilometerlangen Zugang zum Adriatischen Meer.

Die Hälfte der Bevölkerung lebt in den großen Städten im Westen des Landes. Im Norden grenzt Albanien an Montenegro, im Osten an den Kosovo und Mazedonien und im Süden grenzt es an Griechenland und wenn ich sage „grenzt“, dann meine ich auch grenzt, denn Albanien gehört nicht zur EU. Albanien ist etwas kleiner als Belgien und hat in etwa so viele Einwohner wie Schleswig-Holstein. Im Norden befinden sich die albanischen Alpen mit dem höchsten Berg, dem Korab, der sich mit immerhin 2764m ganz ordentlich zum Wandern und Skifahren anbietet.

Es gibt Seen und Berge, jede Menge Nationalparks, es gibt große Städte und wilde Landschaften, es gibt prima Klima und es gibt jede Menge nette Menschen.

Seit 2001 sind die Bevölkerungszahlen rückläufig, weil viele Albaner ihr Glück in den umliegenden Ländern versuchen, vor allem in Italien und Griechenland. Viele Krisen haben das Land in der Vergangenheit gebeutelt und die Wirtschaft geschwächt. Aber jetzt erholt sich die albanische Wirtschaft langsam von der sozialistischen Planwirtschaft, die dem Land nach dem zweiten Weltkrieg aufgezwungen wurde. Seit 1998 gilt Albanien als Demokratie und hat eine neue Verfassung auf Basis der Menschenrechte. Das Bruttoinlandsprodukt ist seither gestiegen und damit steigen auch die Löhne wieder. Die Arbeitslosigkeit ist zurückgegangen und der Tourismus ist im Kommen. Und das Beste: Seit 2008 hat Albanien eine Einheitssteuer von 10 %. Wer also investieren möchte…

Seit der Verfassung von 1998 gilt Albanien offiziell als laizistische Republik, was den dort lebenden Muslimen und den verschiedenen christlichen Glaubensgemeinschaften ein kulturelles Nebeneinander erlaubt. Selbst ein kleiner Teil Atheisten hat sich aus der Zeit des vorübergehenden Kommunismus erhalten. Viele Albaner sind mehrsprachig. Die am meisten verbreiteten Fremdsprachen sind italienisch, griechisch und englisch.

Dieses kleine Land hat viele Kriege und Unruhen bereits hinter sich und ist jetzt Heimat ganz unterschiedlicher Kulturen. Mit den letzten Wahlen 2013 kann Albanien demokratisch aufatmen und es wird bereits jetzt als Europas letztes Geheimnis und künftiges Reiseziel gehandelt.

Albanien ist der weltweit größte Exporteur von Salbei und liefert europaweit die wichtigsten Heilpflanzen. Albanische Kräuter sind sozusagen der Exportschlager Nummer Eins. Was jetzt noch fehlt ist der gezielte Anbau und die organisierte Ernte. Ich werde also demnächst meine beste Freundin Charlie fragen, ob sie mit mir auswandern möchte, um künftig albanische Kräuter für Schweizer Hustenbonbons anzubauen.

Oh, mein „G“!

Nein, ich meinte nicht: Oh, mein Gott! Ich meinte tatsächlich nur mein „G“. Und zwar genau das, welches sich auf der Tatstatur meines Computers befindet.

Irgendwie ist mir die „G“-Taste bei meinem letzten Geistesblitz aus der Verankerung gerissen. Ein kleiner Zacken ist abgebrochen und nun fliegt die Taste jedes Mal weg, wenn ich Wörter schreibe die mit einem „G“ beginnen, die eins in der Mitte oder eins am Ende haben. Nach jedem „G“-Gebrauch muss ich die Taste hinterher erst wieder sorgfältig an ihren Platz zurück legen, was zur Folge hat, dass ich darüber meistens meinen Text vergesse.

Natürlich könnte ich versuchen das „G“ zum Beispiel durch einen Punkt zu ersetzen. Es einfach .anz we.zulassen und nur diesen Punkt an seine Stelle zu setzen. Aber wie sieht das denn aus? Und wieviele „.“-Wörter .ibts denn, die man dann hinterher noch .ut verstehen kann? Nicht nur wenn ich über das .lück schreibe brauche ich es, es steckt auch in der .abel, in der .ans, im .arderobenhaken, in der .ardine, im .itarristen, im .ästebett und .anz besonders im lieben .ott!

Ich könnte das „G“ aber auch durch einen anderen Buchstaben ersetzen, sozusagen einen Stellvertreter Buchstaben einführen. Ich könnte das „F“ oder das „H“ nehmen, weil sie dem „G“ am nächsten stehen.

Mit dem „F“ wäre es ein Flück, wenn der Fitarrist seine Farderobe im Fästebett ableft, bevor er in den Farten feht und mit dem „H“ würde das Hammelfleisch eine hanz andere Bedeutunh bekommen.

Nein, irgendwie funktioniert das alles nicht.

Meine beste Freundin Charlie rät, ich solle die Wörter mit dem siebten Buchstaben des Alphabets einfach vollends meiden. Sie mache das aus Spaß hin und wieder auch mit anderen Buchstaben so. Es sollte doch durchführbar sein meint sie, sich auch ohne diesen Buchstaben sinnvoll auszutauschen.

Vermutlich hat sie recht und ich werde das jetzt versuchen. Ich muss nur meinen Wortschatz so erweitern, dass ich von dieser einen Taste total befreit bin. Ein Erzählen ohne die defekte Taste zu berühren, hätte den Vorteil, dass ich beim Schreiben meine volle Konzentration behalten und meine Texte künftig wieder fließend und ohne Störfaktor formulieren könnte, weil ich mich nie wieder von der Reparatur meiner Tastatur ablenken lassen müsste. Na bitte, es funktioniert doch! Man muss es nur wollen!

Die Schwerkraft, oh je!

Bekanntlich ist ja die Zahl „42“ die Antwort auf die Frage „nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest“. So jedenfalls sehen es die Protagonisten in den Geschichten der Reihe „Per Anhalter durch die Galaxis“.

Meine beste Freundin Charlie sagte neulich, die Antwort auf die Lebensfrage könne keine Zahl sein, sondern nur eine physikalische Kraft und die richtige Antwort wäre deswegen „die Schwerkraft“!

Sie begründete das auch gleich damit, dass ihre Haare schon von jeher nach unten hängen würden und jetzt nach so vielen Lebensjahren auch noch ihre Bäckchen nicht mehr unter den Augen säßen, sondern neben das Kinn gerutscht sind und die Brüste hätten auch schon länger einen Hang nach unten. Von der Haut an Armen und Beinen gar nicht zu reden und am Ende würde die Schwerkraft siegen und sie ganz unter die Erde drücken.

Das ganze Leben also ein Kampf gegen die Schwerkraft?

Johannes Keppler sagte: „Jede körperliche Substanz ist, insofern sie körperlich ist, von Natur aus dazu geneigt, an jedem Ort zu ruhen, an dem sie sich allein befindet, außerhalb des Kraftbereichs eines verwandten Körpers.“ Und er sagte auch:“Die Schwere besteht in dem gegenseitigen körperlichen Bestreben zwischen artverwandten Körpern nach Vereinigung oder Verbindung (von dieser Ordnung ist auch die magnetische Kraft), so dass die Erde viel mehr den Stein anzieht; als der Stein nach der Erde strebt.

Charlie bestätigt das. Also im Urlaub, so sagt sie, wenn sie sich allein am Strand befindet, würde sie keine Motivation verspüren sich zu bewegen. Die Schwerkraft drücke sie direkt auf ihr Liegetuch am Strand, aber jedes Mal wenn ein Mann in ihre Nähe käme, der größer und kräftiger ist als sie, fühle sie sich automatisch zu einer Vereinigung…

Also das gehe jetzt zu weit, breche ich sie ab. So banal kann die Schwerkraft doch gar nicht sein. Und vor allem kann man die menschliche Psyche nicht mit physikalischen Kräften erklären. Albert Einstein, unser aller Vordenker in Sachen Physik sagte einmal, dass die Schwerkraft nicht die Ursache dafür ist, ob sich zwei Menschen zueinander hingezogen fühlten. Da gibt es noch viele andere Kräfte und biologische Zusammenhänge. Was ist mit dem Elektromagnetismus, der Chemie und der Biologie? Die Frage des Lebens kann man doch nicht so vereinfachen, sage ich ihr.

Charlie dagegen sagt, wer den Kampf gegen die Schwerkraft aufgibt, lässt sich hängen und keine Chemie und keine Biologie der Welt kann verhindern, dass am Ende jeder Widerstand zwecklos ist.

Wo sie recht hat, hat sie recht.