Ich sehe was, was du nicht siehst!

Hinter dieser Überschrift verbirgt sich ein altes Kinderspiel, das bei langen Auto- oder Zugfahrten den Kindern die Zeit verkürzt. Einer sagt: „Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist rot!“ Und dann müssen die Mitspieler alles benennen, was in ihrem Umfeld rot ist, solange, bis der richtige Gegenstand erkannt wird. Der Sieger darf dann die nächste Suche starten und sich zum Beispiel was Grünes aussuchen.

In Zeiten mehrerer europäischer Staatspleiten würde ich das Spiel gerne übertragen und zwar auf Leute, die nicht in Deutschland leben. Der Raum in dem gesucht wird, wäre dann das deutsche Finanzamt und alle müssten raten, warum Herr Schäuble so viel Geld hat, dass er trotz Schuldentilgung eine schwarze Null in seinen Haushalt schreiben kann. Es müsste dann geraten werden, woher die schwarze Null kommt und warum Deutschland so reich ist.

„Ich sehe was, was du nicht siehst und das fängt mit ‚B‘ an.“ Das könnte die Baulandsteuer, die Beförderungssteuer, die Biersteuer oder die Branntweinsteuer sein. Das ist noch relativ gut zu erraten, wenn es dagegen mit ‚S‘ anfängt, wird das Raten schon schwieriger, denn das könnte die Salz-, die Schankerlaubnis-, die Schaumwein-, die Schenkungs-, die Speiseeis-, die Spielbank-, die Spielkarten-, die Strom- und die Süßstoffsteuer sein oder der Solidaritätszuschlag, der früher mal ein Stabilitätszuschlag war, Lohnabschläge, die auf ihre Weise auch zu den Steuereinnahmen gehören. Insgesamt gibt es in Deutschland über sechzig Steuerarten. Die Mehrwertsteuer, die auf jede Arbeitsleistung und jeden Konsumartikel noch obendrauf geschlagen wird, gar nicht mitgerechnet.

„Ich sehe was, was du nicht siehst und das fängt mit „A“ an“, das wären dann die Abzüge vom Lohn, die jeder Arbeitnehmer ungefragt zum Solidartopf beisteuern muss. Das sind in Deutschland die Lohnsteuer, der Solidaritätszuschlag, die Kirchensteuer, die Krankenversicherung, die Rentenversicherung, die Pflegeversicherung und die Arbeitslosenversicherung. Das kann einem gutverdienenden Single schon mal die Hälfte seines Einkommens kosten. Und nicht zu vergessen obendrauf die Arbeitgeberanteile, die ebenfalls in den Solidarkassen des Staates landen.

Und weil in Deutschland die Finanzämter im unteren Bereich so untadelig arbeiten, fließen sämtliche Abgaben der ehrlichen Steuerzahler in den Haushalt des Finanzministers, wo sie dann auf ihre Umverteilung zugunsten unseres Rechtsstaats warten.

Zugegeben, verschiedene Abgaben landen nicht im Steuersäckel des Finanzministers, sondern bei sogenannten halbstaatlichen Organisationen, wie zum Beispiel bei den Krankenkassen. Und wo Herr Schäuble seine Hand nicht direkt drauf hat, ist nicht geradlinig ersichtlich, warum trotz monatlicher Höchstbeiträge der eigene Krankheitsfall nur noch teilabgesichert ist. Gebäude und Verwaltung verschlingen die Beiträge an die Kassen sagen die einen, überhöhte Arztrechnungen und überteuerte Pillen sagen die anderen. Nur so viel ist sicher: Gesundwerden hängt nicht von der Höhe der Beiträge an die Krankenkassen ab!

Meine beste Freundin Charlie sagt, erst wenn es ein einziges Mega-Europa-Finanzamt gibt, wo jeder Europäer seine sechzig Steuerarten einzahlen muss und Herr Schäuble der Mega- Euro-Finanzminister ist, erst dann könnten alle Europäer sehen, wie viele Steuern es braucht, um eine schwarze Null zu schreiben.

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