Ein bisschen Frieden…

Es war beim Eurovision Song Contest im Jahre 1982, als sich Nicole mit dem Lied von Ralph Siegel und Bernd Meinunger ruhig und gefasst auf einem Stuhl sitzend, nur von ihrer Gitarre und einer Harfe begleitet, in die Herzen der Zuschauer und der Jury sang. Als sie den Song Contest gewonnen hatte, sang sie ihr Lied noch einmal, für Europa, wobei sie inmitten ihres Gesangs mehrmals die Sprache wechselte. Sie sang Deutsch, Englisch, Französisch und Flämisch. Und noch heute bekomme ich Gänsehaut, wenn ich mir ihr Lied auf Youtube anhöre und die Begeisterung der Zuschauer spüre. Damals war Europa in Aufbruchsstimmung, Zusammenhalt und neue Horizonte waren gefragt, denn alles konnte nur besser werden.

Ich gebe zu, die letzten Jahre habe ich den Song Contest nicht mehr aktiv verfolgt. Ich bekomme nur noch mit was nicht zu überhören ist, zum Beispiel die Geschichte von dem Österreicher, der sich zwei Rippen exportieren ließ, damit er mit schmalerer Taille in Frauenkleidung Größe 34 passte. Es war ihm egal, ob man ihn für Frau Conchita oder für Herrn Wurst hielt. Das Lied habe ich nie richtig wahrgenommen, aber die schwarze Langhaarperücke über dem Bartgesicht entging auch mir nicht. Viele haben ihm zugejubelt, weil er der Geschlechtslosigkeit den Vorrang gab und damit punktuell den Zahn seiner Zeit getroffen hatte.

Kritiker des Song Contest behaupten, das musikalische Spektakel wäre sowieso nur eine politische Farce. Der Song Contest diene der Völkerverständigung, ist sozusagen eine Europameisterschaft für Nichtfußballer und Gewinner ist immer der, der Europa was zu sagen hat. So war das mit Nicole, dem Conchita und so ist es dieses Mal mit Jamala aus der Ukraine, die mit ihrem Lied die Geschichte ihrer Großeltern erzählt, die 1944 von der Insel Krim vertrieben wurden. Sozusagen ein direkter Hinweis auf das, was in Europa nicht in Ordnung ist. Von was hätten wohl die Griechen singen müssen, damit man sie nicht schon im Halbfinale rausgeschmissen hätte?

Inzwischen kann es so viele Lieder gar nicht geben, um zu beschreiben was in Europa alles schief läuft. Immer mehr Länder schotten sich ab und immer mehr Menschen johlen wieder nationalistische Parolen, auch in Deutschland. Parteien die keinen Hehl daraus machen, dass sie sich für die Reinhaltung ihres Volkes einsetzen wollen, bekommen zunehmend fragwürdige Zustimmung. „Wir für uns!“, als Kampfansage. Hatten wir das nicht schon einmal im Geschichtsunterricht?
Sollte in Österreich demnächst der rechte Flügel die Regierung übernehmen, steht das Programm schon fest: Ausländische Arbeitskräfte sollen nicht mehr über die Arbeitsämter vermittelt und zugleich aus der allgemeinen Sozialversicherung ausgeschlossen werden. Feindseligkeit gegen Muslime ist dort schon jetzt Grundton. Polizei, Justiz und Militär sollen mit harten Rechten durchsetzt werden und das Conchita muss sich warm anziehen, wenn es noch einmal als Österreicher sein Land vertreten möchte. Vielleicht gibt es auch dort bald nur noch eine Staatspresse, die mit relativer Berichterstattungsfreiheit aus der Regierung berichtet. Andere Länder machen uns bereits vor, wie mit der Pressefreiheit umgegangen werden muss, damit das Volk bei Stimmung bleibt.

Nationalistische Kleinstaaterei in einem Europa, das sich global öffnen wollte. „Tür zu, hier ziehts!“, schreit es aus den rechten Lagern, die sich auf den Weg machen ihre Staaten „sauber“ zu halten: Keine Fremden, kein europäischer Zusammenhalt, kein Schmutz auf heimischen Boden. Jetzt heißt es die Gewinne aus den fetten Zeiten des europäischen Miteinanders national zu verteidigen.

Vielleicht sollte ich den europäischen Song Contest künftig doch wieder aktiv verfolgen, nur um zu wissen, welcher Tenor in Europa künftig angeschlagen wird.

Ein Gedanke zu „Ein bisschen Frieden…

  1. Europa ist im Moment so, als wenn man mit Freunden in den Urlaub fährt, zusammen Lebensmittel einkauft und in der Ferienwohnung, dann alles auseinander rechnet. Die können nur ausrechnen, wie krumm eine Banane oder Gurke sein darf und bestimmen, was wir dürfen und was nicht. Ach und dann hauen sie ihre Mitgliedsbrüder noch übers Ohr (siehe Griechenland). Traurig!!

    Ich habe schon lange Freunde aus aller Herren Länder und finde das toll. Multikulti fördert das Verständnis unter der Weltbevölkerung und das ist gut so.

    Hier schimpfen sie über Flüchtlinge und fahren dann an den Ballermann um die Sau herauszulassen.

    Schade um Europa…..

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