Die Kissen-Mania

Ich weiß nicht, ob das außer mir noch jemandem aufgefallen ist? Die Kissen-Mania greift um sich!

Es ist egal, ob es sich um Bänke, Sessel, Sofas, Betten oder Teppiche auf dem Boden handelt, überall sind Kissen in allen Größen und Formen drapiert. Ich habe das gesehen, weil ich ein begeisterter Möbelhausspaziergänger bin und in puncto modetrendiger Inneneinrichtung mir so schnell nichts entgeht.

Waren das bis vor Kurzem noch die möglichst spartanischen, durch Weglassen ins rechte Licht gerückten minimalistischen Einzelstücke, so sind es jetzt die Kissen, die ins Auge stechen. Im großen Doppelbett ist kein Platz mehr für Plüschtiere oder für das Nachmittagsschläfchen der Hauskatze, weil tagsüber fünf oder sechs Reihen bunte Kissen vom Kopfteil bis über die Mitte hinaus das herausgeputzte Schlaflager zieren. Bauch an Bauch stehen sie da im Bett, ordentlich nach Farben und Formen sortiert, genauestens ausgerichtet und sollen mir das Gefühl vermitteln, hier möchtest du gerne schlafen, hier kannst du dich zu Hause fühlen. Komm zu uns, hier ist es kuschlig!

Aber wie ins Bett gehen, wenn rechteckige, kurze, lange, bunte und einfarbige, bestickte und bedruckte, aus Leinen, Baumwolle und Fellersatz gestaltete Polster den Zugang dahinein verwehren? Soll man durchschwimmen, um ans obere Ende des Bettes zu gelangen? Durchtauchen? Sich obendrauf legen?

Am besten ist es vermutlich mit einer riesigen Armschwenkbewegung das ganze Kissenzeugs erst einmal aus dem Bett zu streifen, um an den üblichen kleinen Kopfpolster zu gelangen, der für gewöhnlich über Nacht unser Haupt ruhen lässt.

Ich gebe zu, der Anblick eines mit Kissen gefüllten Bettes oder Sofas ist nett. Es sieht wirklich bequem und heimelig aus, aber ob solcher Art verzierte Wohnmöbel auch im Alltag gebrauchstauglich sind, das weiß ich nicht. Ist wohl doch eher nur Möbelhaus Behaglichkeit.

Meine beste Freundin Charlie sagt, sie hätte neulich erst Kissen der Sorte Maharam, Repeat Classic Houndstooth in lemmon, Cocoa, Moss und Pink erstanden, passend zu ihrem altenglischen Einrichtungsstil. Viel mehr als tausend Euro hätte sie dafür ausgegeben, sagt sie, aber das Geld wäre es wert, denn das Sofa sähe jetzt wirklich aufgemotzt und total gemütlich aus. Hinsetzen wäre allerdings nicht mehr möglich, weil die Kissen die Sitzfläche fast gänzlich einnehmen. Sie sagt, das wäre aber egal, weil jetzt muss auch der Hund auf dem Teppich bleiben.

2 Gedanken zu „Die Kissen-Mania

  1. Hihi – so macht man die Möbel unbenutzbar 🙂
    Ich glaube, die amerikanischen King Size Betten sahen schon immer so aus.

    Erinnert mich an früher, Wohnzimmer mit Eichenschrankwand und dicken grünen Plüschsofas, die passenden Kissen aufgereiht und per Handkantenschlag in Stellung gebracht – ungeheizt und grabeskalt…

    Die Familie drängt sich auf der gemütlichen Kücheneckbank beim Nachtspeicherofen 🙂
    Meine 90jährige Tante hat noch so ein Mausoleum. Es wird praktisch nie betreten!
    Das ist eigentlich wahrer Luxus, sich so etwas zu leisten – erst recht in München 😀 😀

    1. Stimmt, es ist Luxus einen Salon zum reinschnauen und herzeigen zu haben. Aber so war das und so ist das teilweise immer noch. Barbara Becker zeigte mal im Fernsehen ihr Florida Haus. 500 qm Wohnfläche, zig Bäder und sitzen immer alle in der Küche, sagte sie.

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