Albtraum

Ich kenne diesen Mann, weiß nur im Augenblick nicht genau, wer er ist. Dicht gedrängt steht er neben mir in einem Bus und wir wissen beide, dass der Augenblick ungünstig ist. Aber nachher im Hotelzimmer werde ich keine Lust mehr haben, weil mich das breite Hotelbett wieder total abturnt. Es steht mitten im Zimmer und fordert plump dazu auf, es jetzt und zwar gleich zu benützen. Das mag ich überhaupt nicht. Eigentlich habe ich jetzt schon keine Lust mehr, wenn ich nur an das Bett denke.
Der Bus bleibt stehen, die Türen öffnen sich und dann ist der Mann plötzlich verschwunden. Durch die geöffnete Türe sehe ich draußen vor einem Bistro Leute an kleinen Tischen sitzen, sie rufen etwas und winken mir aufgeregt zu, ich solle aussteigen, aber ich weiß nicht, ob das meine Haltestelle ist. Ich bleibe im Bus stehen, die Türen schließen sich wieder, der Bus fährt an, wendet und fährt zurück. Zu dumm, ich hätte doch aussteigen sollen. Jetzt ist es zu spät. Hoffentlich liegt die letzte Haltestelle nicht allzu weit zurück, damit ich das Stück bis hierher noch gut laufen kann.
Zum Glück hält der Bus keine hundert Meter weiter wieder an und ich kann aussteigen.
Ich stehe an der Promenade, die Sonne scheint, es ist hell und warm, rechts von mir sehe ich den Strand und das ruhige blaue Meer. Ich bin viel zu dick angezogen, habe Durst, kann aber wenigstens noch sehen, wohin ich zurück laufen muss.
Ganz plötzlich wird mir bewusst, dass ich eigentlich gar nicht weiß wohin ich muss. Was erwartet mich eigentlich dort? Mir fällt ein, dass ich noch gar kein Hotel gebucht habe, ich weiß nicht einmal in welchem Land ich bin und, oh Schreck, ich finde mein Handy nicht. Ich fange in Gedanken an, wie wild in meinen Taschen herum zu suchen, obwohl ich schon genau weiß, dass die Suche erfolglos bleiben wird. Es hilft nichts, kein Handy ist da! Ich bin alleine, weiß nicht wo ich bin und wohin ich eigentlich muss.
Ich laufe, nein ich schwebe irgendwie zurück an die Stelle an der die Leute vor dem Bistro saßen, aber jetzt will mich plötzlich niemand mehr kennen und sie alle unterhalten sich einfach weiter ohne auf mich zu achten. Ich stehe rum und erkenne keinen einzigen an den Tischen und außerdem spricht niemand meine Sprache.
Ganz in der Nähe, gleich über die Straße, ein großes, teuer aussehendes Hotel direkt am Strand. Ich überlege, ob ich da nicht einfach hineingehen soll und fragen. Und noch während ich überlege stehe ich schon in der großen Marmorlobby und schaue mich um. Aber nach was soll ich fragen? Da drin habe ich sicher kein Zimmer reserviert. Also wenn ich irgendwo reserviert hätte, dann bestimmt in einem kleineren Hotel. Was kostet hier eigentlich die Nacht und wenn ich nichts anderes finde, kann ich mir das überhaupt leisten?
Ich brauche Google. Ich möchte nachsehen, ob es noch andere Hotels in Nähe gibt und was sie kosten. Ich brauche Maps, ich muss sehen, wo ich eigentlich bin und wohin ich gehen muss. Ich muss mich mal zuhause melden, nachfragen wie ich hierhergekommen bin, was ich hier wollte und wie ich wieder zurückkomme. Ich habe kein Telefon, keinen Plan, kein Geld, null Informationen! Nichts! Nothing!
Schweißgebadet, total irritiert wache ich auf und taste nach meinem Smartphone auf dem Tischchen neben meinem Bett. Huch! Alles noch da. Alles in Ordnung.
Welch ein Albtraum und welche Erkenntnis.

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